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Das Internetz (1)
Diese Einführung für interessierte Einsteiger ist der erste von zwei Artikeln, die die technischen Grundlagen des Internet erklärt.
In diesem ersten Teil geht es unter anderem um:
- Was Internet und Feuerzangenbowle gemeinsam haben
- Was die Kürzel LAN und WAN bedeuten
- Warum ein Computer ohne Netzwerk wie ein Auto ohne Straße ist
- Was die Entstehung des Internet mit Raumschiff Enterprise zu tun hat
- Das Ende der 80er Jahre 159.000 Computer an das Internet angeschlossen waren.
- Was man Ende der 80er Jahre im Internet machen konnte
Was das Internet mit der Feuerzangenbowle zu tun hat
In einer unvergesslichen Szene aus der „Feuerzangenbowle“ beschreibt Lehrer Bömmel vor versammelter Klasse die Dampfmaschine als einen großen schwarzen Raum mit je einem Loch vorne und hinten: „Das eine Loch ist die Feuerung, und das andere,“ sinniert er, „das andere, das krieje mer später.“
Später kommt im Film leider nicht mehr vor und so weiß auch nach der Feuerzangenbowle kaum jemand, wie die Dampfmaschine funktioniert. Trotzdem gilt ihre Erfindung gemeinhin als Grundstein der Industriellen Revolution.
Dabei hat James Watt mit seiner Erfindung im Jahre 1769 das Leben seiner Zeitgenossen zunächst kaum verändert. Die Dampfmaschine wurde überwiegend im Bergbau eingesetzt, um Wasser aus den Schächten zu pumpen. Eine dampfbetriebene Fabrik hätte genügend Waren produzieren können, um die ganze Nation damit zu versorgen, aber es gab keine Möglichkeit, diese Waren im Lande zu verteilen.
Erst mit der Verbreitung der Eisenbahn wurde es sinnvoll, gigantische Fabriken zu bauen, denn nun konnte man die Produkte transportieren. Die Menschen zogen vom Land in die Städte und suchten Arbeit in den Fabriken. Nicht die Erfindung der Dampfmaschine brachte also die Industriegesellschaft ins Rollen, sondern erst das Zusammenwirken von Dampfmaschine und Eisenbahn.
Schön und gut, aber was hat das mit Computern und Netzwerken zu tun? Kurz gesagt: Der Computer ist die Dampfmaschine von heute; die Eisenbahn ist das Netzwerk:
- Computer verarbeiten Informationen.
- Das Netzwerk verteilt sie.
Die folgende Tabelle zeigt diesen Sachverhalt im Überblick.
Verarbeitung |
Verteilung |
|
Industriegesellschaft |
Dampfmaschine |
Eisenbahn |
Informationsgesellschaft |
Computer |
Netzwerk |
Computer gibt es in unserem Alltag schon seit einigen Jahrzehnten, aber die Informationsgesellschaft entsteht erst durch das Zusammenwirken von Computern und Netzwerken.
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Was die Kürzel LAN und WAN bedeuten
Die in den 80er Jahren aufkommenden PCs blieben nicht lange Singles. Sie bekamen Netzwerkkarten und wurden per Kabel miteinander verbunden, um zum Beispiel einen Drucker oder eine Datenbank gemeinsam nutzen zu können.
Ein kleines Netzwerk: (W)LAN
In fast jedem Büro und in immer mehr privaten Haushalten gibt es inzwischen solche kleinen Netzwerke, die als Local Area Network (LAN) bezeichnet werden, was auf Deutsch soviel heißt wie Netzwerk in einem Gebäude.

Wie in den meisten Beziehungskisten gibt es auch bei Netzwerken einen Haufen Probleme, die Singles nicht haben, zum Beispiel welcher Rechner wann auf welche Daten zugreifen darf und welcher nicht. Aber in Beziehungskisten und Netzwerken hat man eben auch Möglichkeiten, die man als Single nicht hat. Zum Beispiel:
- Drucker gemeinsam nutzen
- Dateien gemeinsam nutzen
- einen Internetzugang gemeinsam nutzen
Etwas allgemeiner gesagt: Netzwerke dienen zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen.
Da die Verkabelung eines Netzwerkes oft am meisten Probleme bereitet, findet man in letzter Zeit immer häufiger drahtlose Netzwerke, kurz WLAN genannt. WLAN sollte man nicht mit WAN verwechseln.
Ein großes Netzwerk: WAN
Stellen Sie sich nun eine große Firma vor, die ihre an verschiedenen Standorten vorhandenen lokalen Netzwerke verbinden möchte. Diese Netze werden nicht mehr über selbst verlegte Kabel sondern über Hochgeschwindigkeitsleitungen miteinander verbunden.

Die einzelnen Netzwerke werden dabei - wie in der Abbildung zu sehen - durch so genannte Router gekoppelt. Ein Router ist ein Gerät, das beide Netzwerke kennt und die Datenpakete von einem Netzwerk zum anderen leitet, wie eine Vermittlungsstelle im Telefonnetz. Ein Router kann ein ganz normaler Computer mit zwei oder mehr Netz-werkkarten sein oder ein hoch spezialisiertes Gerät für viel Geld.
Ein solches Netzwerk nennt man Wide Area Network (WAN). Durch WANs wird die Welt zum Dorf und Informationen, für deren Überbringung Marco Polo vor einigen Jahrhunderten noch Jahre angestrengten Reisens brauchte, legen die gleiche Entfernung in Sekundenbruchteilen zurück. Als Faustregel lässt sich sagen, dass man von einem WAN sprechen kann, wenn zwei oder mehr LANs per Telekommunikation verbunden werden, also z. B. durch Standleitungen.
Das Internet ist ein WAN. Spätestens, wenn Sie diesen Satz laut lesen, wird Ihnen seine Doppeldeutigkeit klar.
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Warum ein Computer ohne Netzwerk wie ein Auto ohne Straße ist
Vielleicht wird es uns schon in wenigen Jahren unverständlich vorkommen, was an einem Computer ohne Netzwerkanschluss so toll gewesen sein soll, und es gibt eine schöne Metapher, die das illustriert:
- Stellen Sie sich vor, dass ein brandneues Luxusauto vom Himmel direkt in den Regenwald des Amazonas geworfen wird. Mitten in den Dschungel.
- Stellen Sie sich weiterhin vor, dass die Amazonas-Ureinwohner, die noch nie ein Auto gesehen haben, diesen Wagen finden, komplett mit Bedienungsanleitung in der landesüblichen Sprache, Schlüssel, Batterie und vollem Tank.
Für uns scheint ein Auto ohne Straße ziemlich nutzlos zu sein, aber die Amazonas-Ureinwohner in dem Beispiel wissen nichts von Straßen, sie kennen nur dieses eine Auto, das aber selbst ohne Straße recht hilfreich ist. Das Auto ...
- ... schützt vor Regen
- ... spendet nachts Licht
- ... gibt ein angenehmes Klima
- ... kann Musik machen
- ... kann mit der Hupe wilde Tiere verscheuchen
Feine Sache, so ein Auto. Aber richtig sinnvoll wird es erst in einem Netz, einem Straßen-Netz.
Ein Computer ohne Netzwerkanschluss ist ein bisschen wie ein Auto ohne Straße: Man kann damit Briefe schreiben, Tabellen kalkulieren, Bilder bearbeiten, Schach spielen, und mit der Hupe wilde Tiere verscheuchen.
Feine Sache, so ein Computer. Aber richtig sinnvoll wird er erst in einem Netzwerk. Dann kann man plötzlich völlig neue Dinge tun, wie Emails schreiben und im Web surfen.
Das Internet ist schlicht und einfach ein riesiges, ganz normales Computernetzwerk, und nur dadurch, dass man Computer miteinander vernetzt, entsteht aus genau denselben Computern etwas völlig Neues, ein neues Medium.
Robert Metcalfe, einer der Pioniere der Computervernetzung, hat einmal gesagt "die Nützlichkeit eines Netzwerkes steigt mit der Anzahl seiner Benutzer". So gesehen ist das Internet das nützlichste aller Computernetzwerke.
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Die 70er Jahre: Das Internet und Enterprise
1969 war das Jahr der Mondlandung. Am 21. Juli betritt der erste Mensch den Mondboden. „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit“ waren die ersten Worte Armstrongs, nachdem er mit dem linken Fuß zuerst die Landefähre „Eagle“ verlassen hatte.
Wenige Wochen vorher war übrigens die Fernsehserie Star Trek mit Captain Kirk, Pille McCoy und Spock nach der dritten Saison wegen mangelnder Zuschauerbeteiligung abgesetzt worden.
Im Dezember 1969 gab es – von der Öffentlichkeit unbemerkt – einen weiteren Schritt für die Menschheit, der große Folgen haben sollte: Einigen Wissenschaftlern gelang es in einem Experiment erstmals, vier Computer an den Standorten San Francisco (Stanford Research Institute, SRI), University of California in Santa Barbara (UCSB), University of California in Los Angeles (UCLA) und in Utah miteinander zu vernetzen.

Finanziert wurden die Vernetzungsexperimente von der Advanced Research Projects Agency (ARPA), einer Abteilung des Verteidigungsministeriums, die sich um Forschungsprojekte im Hightech-Bereich kümmerte. Das neue Netzwerk wurde nach seinem Geldgeber einfach ARPANet genannt.
Bereits im September 1971 umspannten die Leitungen des ARPANet den nordamerikanischen Kontinent von West nach Ost.

Im weiteren Verlauf der 70er wurde die zugrunde liegende Technik Schritt für Schritt verfeinert und die Zahl der angeschlossenen Rechner erhöhte sich kontinuierlich:
- Im Dezember 1979 waren bereits 188 Computer angeschlossen.
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Die 80er Jahre: Das Netz wächst
Anfang der 80er Jahre gründete das Militär ein eigenständiges Netzwerk mit dem schönen Namen MILNet, sodass im ARPANet weitgehend zivile Forschungseinrichtungen zurückblieben, die ihre eigenen Netzwerke an das ARPANet anschließen wollten. 1984 durchbrach die Anzahl der angeschlossenen Computer erstmals die Tausendergrenze:
- Im Oktober 1984 waren 1024 Computer miteinander vernetzt
In dieser Zeit hörte man immer öfter den Begriff Internet als Bezeichnung für das gesamte Netzwerk, weil alle angeschlossenen Computer das so genannte Internet Protokoll beherrschen mussten.
Eine wichtige Rolle bei der Erweiterung des Netzes in der zweiten Hälfte der 80er spielte die National Science Foundation (NSF). Die NSF – so etwas Ähnliches wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft - finanzierte eine Hauptleitung quer über den Kontinent, die das Rückgrat (Backbone) des immer schneller wachsenden Netzwerkes bildete und es den kleineren Universitäten erleichterte, ihre eigenen Netzwerke anzuschließen. Der Wachstum des Internet beschleunigte sich in dieser Zeit enorm:
- Im Oktober 1989 zählte man bereits 159.000 Computer
Und immer noch war jeder Computer mit jedem Computer verbunden, genau wie im Straßennetz der kleinste Feldweg irgendwie mit der schnellsten Autobahn verbunden ist.
EMail und FTP
Das Internet ist also ein gigantisches Computernetzwerk, aber was kann man mit ei-nem solchen Computernetzwerk machen? Ganz einfach: Man transportiert Nachrichten und Dateien von einem Computer zum anderen.
Das World Wide Web war noch nicht erfunden, deswegen waren Ende der 80er Jahre die bekanntesten Nutzungsmöglichkeiten wie folgt:
- E-Mail zum Nachrichten versenden. Das Postauto.
- FTP (File Transfer Protokoll) zum Dateien verschicken. Der LKW.
- Newsgroups für öffentliche Nachrichten. Das schwarze Brett.
Email kennen Sie wahrscheinlich, aber FTP und Newsgroups sind den meisten Interneteinsteigern heute kein Begriff mehr. Sie kennen nur noch das Web ...
Dazu sei noch bemerkt, dass die Benutzung dieser Dienste damals alles andere als komfortabel war. Um zum Beispiel eine Email zu versenden, musste man schon einiges von Computern und deren Bedienung verstehen. Wer also die MS DOS Eingabeaufforderung umständlich oder kompliziert findet, hätte in den 80er Jahren nicht viel Spaß am Internet gehabt.
Neben diesen drei großen Diensten gab es (und gibt es natürlich) zahlreiche andere wie Telnet, Secure Shell (SSH), Finger und dergleichen mehr, aber der Einfachheit halber sah das Internet am Ende der 80er Jahre bildlich dargestellt so aus:
Email
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FTP
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Newsgroups
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| Internet |
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Das World Wide Web war wie gesagt noch nicht erfunden. Das kommt gleich erst.
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