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Google? Buzz? Off.

Für Eilige die Kurzfassung am Anfang. Executive Summary:

  1. Mir gefällt die Integration eines Social Blabla in mein E-Mail-Programm nicht. In meiner Inbox will ich Signal und kein Rauschen.
  2. Eine automatisch generierte Liste meiner Kontakte zu veröffentlichen finde ich einen absoluten Vertrauensbruch.

Und wer Lust hat zu lesen, hier die ganze Story:

Google habe ich vor ungefähr 10 Jahren über einen kurzen Beitrag bei Dr. Web kennen gelernt. Dem Gedanken "Noch eine Suchmaschine?" folgte eine wohltuend aufgeräumte Startseite und eine erstaunlich nützliche Ergebnisliste. Oh. Gar nicht schlecht.

Google Mail und Co.

Im Sommer 2005 habe ich dann Google Mail entdeckt. Webmail ist für jemanden der viel unterwegs ist eine sehr nützliche Sache, und GMail machte mit einer Mischung aus Ajax und gesundem Menschenverstand das Arbeiten im Web fast so flüssig wie in einem lokalen Mailclient. Und teilweise sogar besser: Labels, die Suchfunktion und Threads zum Beispiel sind einfach Klasse.

Was mir damals schon übertrieben schien war, jede E-Mail-Adresse automatisch in die "All Contacts" geschrieben wird. Auch habe ich anfangs wie gewohnt Mails gelöscht und nicht mit dem "Archive"-Button ins "All Mail" Fach verschoben, aber das liess bald nach, denn manchmal ist es einfach praktisch, Jahre zurück liegende Mails schnell wiederzufinden. Braucht man selten, aber wenn dann richtig.

Nur mit dem Chat in Gmail konnte ich mich nie so richtig anfreunden. Mail ist asynchron, und deswegen maile ich. Chat und Telefon sind synchron.

Den Google Kalender habe ich anfangs überhaupt nicht genutzt. Google braucht ja nicht alles zu wissen war ein Gedanke, der dazu beitrug. Aber auch hier bin ich weich geworden, denn das Ding ist einfach Klasse. Auf das Wichtigste reduziert und einfacher zu nutzen (buchstäblich "nütz-licher) als der in Outlook. Zu einem richtigen PIM fehlt eigentlich nur noch ein brauchbares Task-Management. Googles eigene Versuche in der Richtung finde ich eher nicht so gelungen. Warum haben die eigentlich "Remember The Milk" noch nicht gekauft und integriert?

Im Laufe der Zeit kamen nach und nach mehr und mehr Google-Dienste hinzu. Google Maps. Einfach nur gut. Google Docs. Die Textverarbeitung hat nur sehr rudimentäre Styles, aber die Tabellenkalkulation fand ich einfacher zu lernen als Excel. Google Analytics ist fast ein Muss für Websitebetreiber. Als letztes Jahr Google Chrome rauskam dachte ich anfangs noch, dass ich damit ja nun nicht unbedingt surfen muss. Aber Chrome ist ein wirklich guter Browser. Schnell, stabil und nicht im Weg. Seit Version 4 werden die auf Wunsch via Google Docs sogar die Lesezeichen synchronisiert. Die gleichen Lesezeichen auf Desk- und Laptop.

Okay, dann haben die halt meine Daten

Natürlich habe ich zwischendurch manches Mal darüber nachgedacht, das Google ein recht vollständiges Bild von meiner digitalen Welt hat, wenn sie die einzelnen Teile des Puzzles zusammenfügen. Von der Websuche über Mails und Termine bis zu besuchten Orten, von den Besuchern meiner Websites bis zu den Websites, die ich besuche.

Aber im Zweifelsfalle habe ich die "Datenkrake" Google eher verteidigt. "Don't be evil". Schönes Motto. Das Dashboard ist eine gute Sache, genau wie die Data Liberation Front. In gewisser Weise habe ich Google mein Daten anvertraut, so wie ich einer Bank mein Geld anvertraue. Wobei ja das Vertrauen in die Banken in letzter Zeit auch einen erheblichen Dämpfer bekommen hat. Aber der Nutzen überwiegt.

In meiner Inbox will ich Signal, und kein Rauschen

Bis heute morgen. Da habe ich GMail gestartet und wurde irgendwas mit "Buzz" gefragt. Ich hatte natürlich gehört, dass Google was mit "social" in GMail plant und dachte noch, dass es ein guter Name war, wollte aber wirklich nur schnell nach Mails schauen und habe "No thanks" angeklickt oder wie immer die Option hieß. "Buzz" schaue ich mir dann später mal in Ruhe an. Und dann sitzt unterhalb meiner "Inbox" plötzlich ein Link namens "Buzz". Hatte ich nicht "Nein" gesagt?

Stellt sich raus, dass das "No thanks" sich lediglich auf die Integration von Buzz in die Inbox bezog. Ein Social Network in meiner Inbox? Das ist ja wohl die bescheuertste Idee seit Facebook's Privacy-Gedudel im Dezember. In meiner Inbox will ich Signal haben, und kein Rauschen. Eine von GMails Stärken ist der hervorragende Spam-Filter. In fast fünf Jahren sind da nicht mehr als eine Handvoll Mails falsch einsortiert worden. Und jetzt soll ich die Inbox freiwillig mit tonnenweise Small-Talk zuschütten? "No thanks", indeed.

Buzz? Off.

Aber es kam noch schlimmer. Um "Buzz" auszuschalten bin ich dann erstmal in die "Settings". Nix zu sehen. Also neuen Tab auf und in die Chrome Superbar gleich eine Suche nach "Google Buzz" gestartet. Und was fliegt mir da entgegen? "WARNING: Google Buzz Has A Huge Privacy Flaw".

Buzz hat sich nicht nur ungebeten unter meine Inbox platziert sondern auch gleich eine Liste mit den intensivsten Kontakten erstellt und diese veröffentlicht? Das kann doch wohl nicht deren Ernst sein.

War es bei mir auch nicht. Glück gehabt. Ich habe nie ein "Public Profile" erstellt. Ich wußte bis heute gar nicht, dass es sowas gibt. Hätte ich es getan, wäre meine Kontaktliste in diesem öffentlichen Profil veröffentlicht worden. Ungefragt. Als Standardeinstellung. Obwohl ich "No thanks" gesagt hatte.

Doing. Mein Vertrauen in die Vertraulichkeit von Google hat dadurch einen ähnlichen Dämpfer erhalten wie mein Vertrauen in das Bankensystem durch die Finanzkrise. Mein Geld bzw. meine Daten liegen dort zwar immer noch, aber das Vertrauen ist sagen wir mal gebröckelt.

"Trust in me, just in me, Shut your eyes, And trust in me." So beginnt das Schlaflied der Schlange Kaa im Dschungelbuch. Buzz bleibt bis auf weiteres aus. Google? Buzz? Off.

UPDATES

2010-02-12. C-Net beschreibt, wie man Buzz nicht nur ausstellt, sondern komplett de-aktiviert: Buzz off: Disabling Google Buzz.

2010-02-12. Google hat bei den Einstellungen etwas nachgebessert: Google tweaks Buzz privacy settings.

11.02.2010 | drucken | Gelesen: 1072

Kommentare zu Eintrag Nr. 727

Robert schrieb:

Mir geht es sehr ähnlich. Obwohl ich die Google Produkte ebenfalls äußerst nützlich finde (sogar ein androides Handy nenne ich mein Eigen), bin ich gegenüber Buzz auch recht skeptisch eingestellt.
Wie ich höre, veröffentlicht man neben seinen am häufigst kontaktierten Kontakten auch eine Liste seiner RSS-Feeds, die man über den Reader liest. Also das brauche ich nicht, und schon gar nicht ungefragt.
Auch hat die Marke Google meiner Meinung nach nicht genug 'Coolness' um mit Facebook oder Twitter mithalten zu können.

11.02.2010 22:55:50

Dieter schrieb:

Danke für den Artikel und den Link zu Buzz off: Disabling Google Buzz.

Zwar hatte ich kein öffentliches Google-Profil und musste nur den letzten Schritt ausführen, aber es mal kontrollieren schadet bestimmt nicht.

Zwar bin ich ebenfalls ein intentsiver Nutzer von Google-Dienste, aber statt Buzz nehme ich da doch lieber Twitter und statt Google Analytics lieber chCounter.

15.02.2010 20:05:10

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